Technik

Auto-Displays werden zum Störfaktor: Warum zu viele Bildschirme im Auto ein echtes Problem sind

Die Klage ist alt. Jetzt bekommt sie neue Schärfe: Bildschirme und Infotainment-Systeme sind in modernen Autos längst mehr als ein Komfort-Extra. Sie sind ein handfestes Qualitätsproblem.

Aktuelle Zahlen zeigen, dass Infotainment für 25 Prozent aller Fahrzeugprobleme bei Neuwagen steht. Das ist viel. Vor allem, weil es hier nicht um Motorschäden oder teure Defekte im Antrieb geht, sondern um genau die Systeme, mit denen Fahrer bei jeder Fahrt ständig zu tun haben: Touchscreen, Menüs, Smartphone-Anbindung, Navigation, Klima-Steuerung, Assistenzfunktionen.

Das Problem ist größer, als es auf den ersten Blick wirkt. Wenn ein Auto beim Fahren schlecht bedienbar ist, nervt das nicht nur. Es lenkt ab. Wer Lautstärke, Sitzheizung oder Lüftung erst durch Untermenüs suchen muss, schaut länger auf eine Fläche aus Glas statt auf die Straße. Dass viele Hersteller fast jede Funktion in den Bildschirm geschoben haben, war lange als modern verkauft worden. In der Praxis ist es oft einfach umständlicher.

Dazu kommt die technische Seite. Ein klassischer Knopf hat einen klaren Job. Er funktioniert oder er funktioniert nicht. Ein großes Infotainment-System ist dagegen ein ganzer Software-Stapel: Betriebssystem, Funkmodule, Sensorik, Apps, Updates, Oberfläche, Sprachsteuerung. Je mehr davon zusammenkommt, desto mehr kann haken. Verbindungsabbrüche, träges UI, fehlerhafte Anzeigen oder missverständliche Menüs sind keine Nebensache. Sie prägen den Alltag mit dem Auto.

Für Hersteller ist das ein selbst gebautes Problem. Große Displays sehen im Showroom gut aus und lassen sich als Hightech vermarkten. Sie sparen teils sogar separate Schalter und Bedienelemente. Aber das verlagert Komplexität in Software. Und Softwarefehler verzeihen Käufer oft weniger als früher, weil das Auto bei zentralen Funktionen sofort unfertig wirkt.

Gerade bei Neuwagen ist das heikel. Wer viel Geld ausgibt, erwartet kein Bedienkonzept, das wie eine halbfertige App wirkt. Wenn dann schon einfache Dinge hakeln, färbt das auf die ganze Marke ab. Der Bildschirm wird so zur Visitenkarte des Autos. Und wenn diese Visitenkarte ruckelt, abstürzt oder schlecht sortiert ist, hilft auch ein sauber abgestimmtes Fahrwerk nur begrenzt.

Das ist auch ein Warnsignal für die Branche. Über Jahre galt: mehr Display, weniger Tasten, mehr digitale Funktionen. Dieser Kurs stößt sichtbar an Grenzen. Nicht weil Technik im Auto schlecht wäre. Sondern weil gute Technik unsichtbar hilft, statt ständig Aufmerksamkeit zu verlangen.

Die Konsequenz liegt auf der Hand: Hersteller müssen Bedienung wieder ernster nehmen. Weniger Menü-Tiefe. Mehr direkte Zugriffe. Wichtige Funktionen zurück auf physische Tasten, Drehregler oder klar erreichbare Schalter. Ein Bildschirm ist sinnvoll für Karte, Medien und Fahrzeuginfos. Er ist schlecht als Allzweck-Ersatz für alles.

Die Autoindustrie hat das Cockpit zu lange wie ein Tablet mit Rädern behandelt. Die neuen Problemzahlen sind ein deutlicher Hinweis, dass dieser Ansatz im Alltag nicht gut genug funktioniert.