Vizio-TV sendet trotz Tracking-Opt-out weiter Daten
Tracking abschalten und danach Ruhe haben: Diese Erwartung erfüllt ein untersuchter Vizio-SmartCast-Fernseher nicht. In einer Studie der Northeastern University sendete das Gerät nach dem Tracking-Opt-out weiterhin Daten in vergleichbarem Umfang an einen Server, der mit automatischer Inhaltserkennung verbunden ist. Auch im Leerlauf blieb die Übertragung bestehen.
Das ist ein Warnsignal, aber noch kein Beweis dafür, dass der Fernseher unverändert das Fernsehverhalten übermittelt. Die Daten waren verschlüsselt. Für Besitzer bleibt trotzdem ein handfestes Problem: Der Datenschutzschalter beendet den beobachteten Datenverkehr nicht. Wer jede Internetübertragung des Fernsehers unterbinden will, muss dessen Netzwerkverbindung trennen. Das kostet allerdings Smart-TV-Funktionen.
Was der Test belegt – und was nicht
Die Forscher beobachteten bei einem Vizio-SmartCast-TV Verbindungen zu einem Amazon-Kinesis-Server, der mit Automatic Content Recognition, kurz ACR, verknüpft ist. Gemeint ist die automatische Inhaltserkennung. Nach dem Widerspruch gegen Tracking ging die übertragene Datenmenge nicht erkennbar zurück. Der Fernseher sendete auch dann weiter, wenn er ungenutzt blieb.
Entscheidend ist die Grenze dieser Messung: Datenmenge und Zielserver verraten nicht den vollständigen Inhalt einer Übertragung. Die in der Untersuchung von Vizio und Samsung gesendeten Daten waren verschlüsselt. Die Forscher konnten sie deshalb nicht einsehen. Ob weiterhin Sehgewohnheiten übertragen wurden oder andere Daten, ließ sich daraus nicht feststellen.
Die Aussage „Vizio ignoriert den Tracking-Widerspruch“ geht deshalb weiter als der belegte Befund. Nachgewiesen ist fortgesetzter Datenverkehr am untersuchten Gerät. Nicht nachgewiesen ist, dass alle Vizio-Fernseher nach einem Opt-out unverändert persönliche Sehprofile senden. Diese Unterscheidung ist wichtig, auch wenn sie den Befund für Besitzer kaum befriedigender macht.
Ein Opt-out ist kein Netzwerk-Aus-Schalter
Wer eine Tracking-Einstellung deaktiviert, trifft eine Entscheidung über die Datennutzung. Daraus folgt nicht automatisch, dass ein vernetzter Fernseher sämtliche Serververbindungen beendet. Genau diese beiden Dinge müssen Nutzer hier auseinanderhalten: den Widerspruch gegen Tracking und das technische Unterbinden jeder Übertragung.
Der untersuchte Vizio-TV lässt von außen keine einfache Erfolgskontrolle zu. Gleichbleibender Datenverkehr beweist wegen der Verschlüsselung keine unveränderte Erfassung von Sehgewohnheiten. Er liefert aber auch keine Entwarnung. Der Schalter allein gibt Besitzern somit keine überprüfbare Gewissheit darüber, welche Informationen das Gerät noch verschickt.
Bei Vizio wiegt diese Unsicherheit schwer. 2017 einigte sich das Unternehmen mit der US-Handelsbehörde FTC und dem Bundesstaat New Jersey auf eine Zahlung von 2,2 Millionen US-Dollar. Es ging um den Vorwurf, ohne Wissen oder Zustimmung der Nutzer Daten von elf Millionen Smart-TVs gesammelt zu haben. Ein Verstoß gegen diesen Vergleich ließ sich mit den verschlüsselten Übertragungen der aktuellen Studie jedoch nicht feststellen.
WatchFree+ wirft eine zusätzliche Datenschutzfrage auf
Beim kostenlosen Streaming-Dienst WatchFree+ liegt ein konkreterer Befund vor. Der Dienst gab im Test den Namen jeder Sendung oder jedes Kanals in unverschlüsselten DNS-Abfragen an den Streaming-Anbieter Amagi weiter. Dadurch können Dritte mit Zugriff auf diese DNS-Daten Rückschlüsse auf angesehene Inhalte ziehen. Eine Einstellung zum Abschalten dieser Weitergabe wurde in der Untersuchung nicht beschrieben.
Das ist ein eigener Übertragungsweg und sollte nicht mit den verschlüsselten ACR-Verbindungen vermischt werden. Praktisch führt er aber zum selben Ärgernis: Eine einzelne Tracking-Option reicht nicht aus, um alle beschriebenen Datenschutzprobleme abzudecken. Wer diese Weitergabe durch WatchFree+ vermeiden möchte, sollte den Dienst nicht verwenden.
Was Besitzer jetzt konkret tun können
Den Tracking-Widerspruch sollten Nutzer trotzdem setzen beziehungsweise bestehen lassen. Der Befund ist kein Grund, eine erklärte Ablehnung zurückzunehmen. Man sollte die Einstellung nur nicht als Zusicherung verstehen, dass der Fernseher anschließend keine Daten mehr ins Internet sendet.
Wer bereits ein externes Streaming-Gerät verwendet und die vernetzten Funktionen des Fernsehers nicht braucht, kann den TV selbst vom Internet trennen. Dazu müssen sowohl eine mögliche WLAN-Verbindung als auch eine Verbindung per Netzwerkkabel berücksichtigt werden. Der Fernseher kann dann selbst keine Daten mehr über diese Verbindungen übertragen. Das externe Gerät muss separat auf seine Datenschutzeinstellungen geprüft werden; es wird dadurch nicht automatisch datenschutzfreundlich.
Wer dagegen die eingebauten Streaming-Angebote nutzen möchte, kann die Internetverbindung nicht einfach streichen, ohne auf diese Nutzung zu verzichten. Hier bleibt eine unbefriedigende Abwägung. Der Opt-out ist sinnvoll, aber kein nachprüfbarer Übertragungsstopp. Für Besitzer, die den Fernseher ohnehin nur als Bildschirm verwenden, ist die getrennte Netzwerkverbindung deshalb die klarere Lösung.