Technik

Ein Drittel neuer Webseiten trägt laut Studie klare KI-Spuren

Das Web füllt sich mit Texten, die nach Maschine klingen. Laut einer Analyse des Pew Research Center zeigen mehr als ein Drittel der englischsprachigen Webseiten, die seit dem Start von ChatGPT im November 2022 veröffentlicht wurden, deutliche Hinweise auf KI-Autorschaft oder starke KI-Überarbeitung.

Für die Stichprobe wurden knapp 500.000 englischsprachige Webseiten untersucht. Im Juli 2026 trugen demnach rund 10 Prozent aller erfassten Seiten starke KI-Signale. Bei Seiten, die nach dem ChatGPT-Start erschienen, lag der Anteil bei mehr als einem Drittel. Das ist keine Randnotiz mehr. Es ist ein Strukturwandel im Publizieren.

Die Menge ist das eine. Die Verschiebung im Ton ist das andere.

Die Studie schaut nicht nur auf den Umfang, sondern auch auf Sprachmuster. Häufiger auftauchende Merkmale waren etwa Gedankenstriche, Oxford-Kommas und Wörter wie „delve“ oder „interplay“. Solche Details wirken erstmal klein. In der Summe verändern sie aber den Klang des Netzes. Texte werden glatter, austauschbarer und oft seltsam uniform.

Das ist der eigentliche Einschnitt: KI verändert nicht bloß, wer schreibt. Sie verändert, wie das Web klingt. Wer viele Texte hintereinander liest, merkt das längst. Vieles liest sich flüssig, sauber, schnell produziert. Und oft auch leer.

.com vorn, .edu und .gov weit dahinter

Besonders häufig fanden sich KI-Signale auf .com-Domains. Deutlich seltener waren sie auf .edu- und .gov-Seiten. Das passt zur Logik des Netzes: Wo Reichweite, Sichtbarkeit und Content-Druck besonders hoch sind, wird Automatisierung zuerst breit eingesetzt. Dort zählt Masse. Dort wird am schnellsten skaliert.

Auf Hochschul- und Behördenseiten greifen andere Zwänge. Veröffentlichungen sind langsamer, formaler und stärker an Freigaben gebunden. Das schützt nicht automatisch vor KI-Einsatz. Es bremst ihn aber.

Für Leser ist das vor allem ein Vertrauensproblem

KI-Texte sind nicht per se schlecht. Viele davon werden redigiert, einige sind nützlich, manche sogar besser strukturiert als hastig geschriebene Handarbeit. Das Problem liegt woanders: Leser sehen einem Text oft nicht an, wie er entstanden ist. Wenn die Produktion skaliert, ohne dass Sorgfalt mitskaliert, sinkt die Verlässlichkeit des Webs.

Gerade bei Ratgebertexten, Produktvergleichen und erklärenden Artikeln wird das heikel. Diese Formate leben von Präzision, Erfahrung und sauberer Einordnung. KI kann Form liefern. Sie ersetzt aber keine Verantwortung.

Die Studie beschreibt einen Trend, keine fertige Endstation

Die Zahl von mehr als einem Drittel bei neueren Seiten ist hoch. Noch wichtiger ist aber die Richtung. Der Anteil KI-geprägter Inhalte steigt. Damit wächst auch der Druck auf Redaktionen, Plattformen und Website-Betreiber, Qualität sichtbar zu machen. Wer sauber arbeitet, muss das stärker zeigen als früher.

Für das offene Web ist das ein Warnsignal. Nicht weil Maschinen mitschreiben. Sondern weil die Grenze zwischen brauchbarem Text, Content-Füllmaterial und scheinautoritativem Unsinn immer schwerer zu erkennen ist. Das Netz hatte schon lange ein Mengenproblem. KI verschärft es drastisch.