Technik

HMD steckt KI in Nokia-Tastenhandys – und trifft damit einen seltsamen Nerv

HMD hat vier neue Nokia-Feature-Phones gestartet: das Nokia 200 4G, Nokia 210 4G, Nokia 215 4G 2nd Edition und Nokia 235 4G 2nd Edition. Alle Modelle setzen weiter auf klassische Tasten, laufen mit S30+ und bekommen eine neue Taste in der Mitte des Steuerkreuzes: für einen KI-Assistenten.

Das klingt erst einmal nach einem Widerspruch. Gerade diese Geräteklasse lebt davon, simpel zu sein. Wenige Funktionen. Klare Bedienung. Lange Laufzeit. Wer so ein Telefon kauft, will oft gerade kein kleines Smartphone mit anderem Gehäuse. HMD versucht nun, genau in diese Einfachheit ein KI-Versprechen einzubauen.

Der Assistent namens Sikey soll per Sprache einfache Aufgaben übernehmen. Er kann etwa die Taschenlampe einschalten, die Kamera öffnen, Erinnerungen und Alarme setzen oder Kontakte anrufen. Das ist kein großer KI-Sprung. Es ist eher Sprachsteuerung in einem neuen Etikett. Für Einsteiger kann das trotzdem nützlich sein, vor allem auf Geräten, bei denen Texteingabe über eine Tastatur mit Ziffern mühsam bleibt.

Interessant wird es bei den Grenzen des Modells. Der Assistent ist nur 180 Tage lang gratis. Danach wird ein Abo fällig. Und dieses Abo muss über eine Smartphone-App abgeschlossen werden. Genau da kippt die Idee. Ein Feature-Phone mit KI-Funktion, deren Bezahlung ein Smartphone voraussetzt, verfehlt einen Teil der Zielgruppe. Wer bewusst auf ein einfaches Handy setzt oder gar kein Smartphone nutzt, steht vor einer unnötigen Hürde.

Das ist mehr als ein Detail. Es zeigt, wie schwer sich Hersteller damit tun, Zusatzdienste sauber in günstige Hardware zu integrieren. Die Geräte selbst sind auf Reduktion gebaut. Das Geschäftsmodell dahinter will aber wieder in Richtung Dienst, Konto, Verlängerung und App-Anbindung. Das passt nur bedingt zusammen.

Immerhin bleibt HMD nicht bei der KI-Taste stehen. Alle vier Modelle unterstützen Videoanrufe über die App Xpress Chat und haben eine Frontkamera mit VGA-Auflösung. Auch das ist ein ungewöhnlicher Schritt für klassische Tastenhandys. Für Familien, ältere Nutzer oder Zweitgeräte kann das sinnvoll sein: einfache Hardware, aber ein direkter Draht per Video. Die technische Grenze ist dabei klar. VGA ist weit weg von dem, was Nutzer heute von Smartphone-Kameras kennen. Für ein kurzes Gesicht-im-Bild reicht es. Mehr sollte man nicht erwarten.

Unterm Strich wirken diese Nokia-Modelle wie ein Test, wie weit sich moderne Plattform-Ideen in sehr günstige Geräte drücken lassen. Die Hardware bleibt vertraut. Die Software bekommt Sprachfunktionen und Chat-Extras. Der eigentliche Bruch liegt aber beim Abo. Ausgerechnet bei einem Gerätetyp, der für Verlässlichkeit und geringe Folgekosten steht, baut HMD eine zeitlich begrenzte Gratisphase ein. Das ist mutig, aber auch unnötig kompliziert.

Wenn HMD mit diesen Modellen Erfolg haben will, wird nicht die KI-Taste entscheiden. Entscheidend ist, ob die Telefone als einfache Alltagsgeräte überzeugen, auch ohne späteren Bezahlzwang. Genau daran werden viele Käufer sie messen.