Technik

Lisuan LX 7G100: Chinas Gaming-GPU hat vor allem ein Software-Problem

Die Ansage war groß. Die Realität ist deutlich kleiner.

Mit der LX 7G100 bringt Lisuan eine eigene Gaming-Grafikkarte aus China an den Start, mit 12 GB GDDR6, 192-Bit-Speicherinterface und 225 Watt Leistungsaufnahme. Preislich liegt die Karte bei rund 480 US-Dollar. Auf dem Papier klingt das nach einem ernsthaften Angriff auf die Mittelklasse. In den ersten Leistungstests landet die Karte aber eher in der Nähe einer GeForce RTX 3060 statt bei einer RTX 4060.

Besonders ernüchternd ist der Abstand in Spielen. In einem Testfeld mit Titeln wie Cyberpunk 2077, Forza Horizon 5, Red Dead Redemption 2, Counter-Strike 2 und Black Myth: Wukong lag die LX 7G100 klar hinter aktuellen Angeboten von Nvidia, AMD und Intel. Teilweise wurde ein Rückstand von rund 30 Prozent zur RTX 4060 und zu Intels Arc B580 gemessen. In einer 1080p-Messung von Cyberpunk 2077 kam die Karte auf 88 FPS, während eine RTX 4060 im gleichen Szenario 232 FPS erreichte und Intels Arc B580 auf 243 FPS kam.

Das ist mehr als ein kleiner Ausrutscher. Es ist ein Hinweis darauf, wo Lisuan gerade wirklich steht. Die Hardware allein reicht bei einer Gaming-GPU nicht. Entscheidend sind Treiber, API-Support, Stabilität und Optimierungen für einzelne Spiele. Genau an dieser Stelle trennt sich bei Grafikkarten der Datenblatt-Eindruck vom echten Produkt.

Und genau dort wird es für Lisuan schwierig. Zum Start sollen rund 100 Spiele unterstützt werden. Das ist für ein neues GPU-Ökosystem zwar ein Anfang, im Alltag aber zu wenig, um sofort als echte Alternative wahrgenommen zu werden. Wer heute fast 500 Dollar für eine Grafikkarte ausgibt, will kein Experiment. Er will ein Produkt, das in neuen Spielen sauber läuft, regelmäßig Updates bekommt und nicht bei jedem zweiten Titel Fragezeichen hinterlässt.

Der Vergleich mit Intel liegt nahe. Auch Arc hatte zum Start kein reines Hardware-Problem, sondern ein Software-Problem. Intel konnte das nur mit viel Zeit, vielen Treiber-Updates und enger Arbeit an einzelnen Spielen verbessern. Lisuan steht jetzt am Anfang genau dieses langen Wegs.

Für China ist die Karte trotzdem mehr als nur ein missglückter Leistungsangriff auf Nvidia. Die LX 7G100 zeigt, dass ein eigener Gaming-Grafikchip mit ernsthaftem Anspruch überhaupt im Markt auftaucht. Das ist industriepolitisch wichtig. Es ist aber noch kein Signal, dass Nvidia, AMD oder Intel im Gaming-Segment unter Druck geraten.

Für Käufer ist die Lage klarer als für Strategen. Eine Grafikkarte mit 225 Watt, 12 GB Speicher und einem Preis um 480 Dollar muss mehr liefern als RTX-3060-Niveau. Sonst fehlt das stärkste Verkaufsargument. Speichergröße allein verkauft 2026 keine GPU mehr, wenn Leistung, Treiberlage und Spiele-Support nicht mithalten.

Unterm Strich ist die LX 7G100 kein Durchbruch, sondern ein früher erster Schritt. Als Symbol taugt die Karte. Als Kaufempfehlung im Gaming-Markt im Moment eher nicht.