Steam: Fast die Hälfte der Oktober-Neuheiten legt KI offen
Laut einer Auswertung haben 49,9 Prozent der im Oktober 2026 auf Steam veröffentlichten Spiele KI-Inhalte offengelegt. Im Januar 2024 lag der Anteil demnach noch bei 1,7 Prozent. Der Anstieg ist groß. Doch aus der Zahl wird schnell eine Behauptung, die sie nicht trägt: Fast jedes zweite neue Spiel sei inzwischen von KI gemacht. Erfasst wird eine Offenlegung, kein vollständiger Herstellungsprozess.
Für Spieler ist diese Unterscheidung wichtig. Die Kennzeichnung kann helfen, eine bewusste Entscheidung zu treffen. Als Qualitätsurteil taugt sie nicht. Dafür sagt sie zu wenig darüber aus, welchen Umfang die KI-Inhalte haben und wie gut sie ins jeweilige Spiel passen.
Was die 49,9 Prozent tatsächlich messen
Die Auswertung umfasst rund 63.600 Spiele, die seit Januar 2024 auf Steam veröffentlicht wurden. In diesem Monat führte Valve die verpflichtende KI-Offenlegung ein. Der Oktoberwert beschreibt den Anteil der Neuveröffentlichungen dieses Monats, die eine entsprechende Nutzung angaben. Er beschreibt weder den gesamten Steam-Katalog noch den Anteil der Spielzeit, den Käufer mit solchen Titeln verbringen.
Auch die Größe eines Spiels geht in diese Quote nicht ein. Ein kleiner Titel zählt als eine Veröffentlichung, ein umfangreiches Spiel ebenfalls. Wer aus der Statistik abliest, die Hälfte des Spielerlebnisses auf Steam werde inzwischen von KI erzeugt, verwechselt die Zahl der Veröffentlichungen mit ihrer Nutzung und ihrem Inhalt.
Eine weitere Grenze: Eine Offenlegungsquote misst deklarierte Nutzung. Sie ist keine unabhängige Prüfung sämtlicher Spieldateien. Aus ihr lässt sich deshalb auch nicht ableiten, dass alle übrigen Veröffentlichungen vollständig ohne generative KI entstanden sind.
Valve fokussiert sichtbare und hörbare Inhalte
Im Januar 2026 präzisierte Valve seine Richtlinien. Der Fokus liegt seitdem auf KI-generierten Inhalten, die Spieler sehen oder hören können, statt auf internen Entwicklungstools. Das macht die Kennzeichnung für Käufer konkreter: Es geht um Inhalte im Spiel und nicht pauschal um jedes Werkzeug, das während der Entwicklung benutzt wurde.
Diese Änderung muss beim Vergleich mit Januar 2024 mitgedacht werden. Die beiden Prozentwerte markieren einen starken Anstieg unter einem zwischenzeitlich präzisierten Regelwerk. Sie sind kein sauberer Maßstab dafür, wie stark die Nutzung sämtlicher KI-Werkzeuge in der Entwicklung gewachsen ist.
Am häufigsten nennen die Offenlegungen laut der Auswertung KI-generierte Grafiken: Sie kommen in 63 Prozent der Fälle vor. Texte und Übersetzungen folgen mit 30 Prozent. Die Kategorien sagen aber nichts darüber aus, ob wenige Bestandteile oder große Teile eines Spiels betroffen sind. Ebenso wenig belegen sie, wie sorgfältig die Ergebnisse überarbeitet wurden. Genau diese Unterschiede wären für ein Qualitätsurteil entscheidend.
Viele Veröffentlichungen, wenig Aussage über Qualität
Die Verteilung innerhalb der Auswertung ist aufschlussreicher als die große Gesamtzahl. Bei Spielen mit weniger als zehn Steam-Rezensionen lag die KI-Offenlegungsquote 2026 demnach bei 47 Prozent. Bei Titeln mit mindestens 1.000 Rezensionen waren es 14 Prozent. KI-Offenlegungen waren damit unter den wenig bewerteten Spielen deutlich häufiger.
Das belegt keine schlechtere Bewertung. Die Anzahl der Rezensionen und deren Urteil sind verschiedene Messgrößen. Wenige Rezensionen können hier nicht als Beweis für schlechte Qualität dienen. Auch die Ursache des Unterschieds bleibt offen.
Ein ähnliches Muster zeigt sich bei der Veröffentlichungsmenge der Entwickler. Wer 2026 mindestens zehn Spiele veröffentlichte, gab der Auswertung zufolge bei 68 Prozent seiner Titel KI-Nutzung an. Bei Entwicklern mit einer Veröffentlichung waren es 37 Prozent. Das passt zur Sorge vor schnell produzierter Massenware. Bewiesen ist damit aber weder, dass KI die höhere Veröffentlichungszahl verursacht hat, noch dass diese Spiele schlechter sind.
Die Kennzeichnung ist ein Hinweis, kein Gütesiegel
Für Spieler bleibt die Offenlegung nützlich, wenn sie eng gelesen wird. Wer KI-generierte Inhalte vermeiden möchte, erhält einen konkreten Anhaltspunkt. Wer die Qualität eines Spiels einschätzen will, braucht mehr: Wie wirken Grafik und Texte? Passt der Stil zusammen? Beschreiben Rezensionen konkrete Schwächen?
Die Oktoberzahl zeigt, wie häufig deklarierte KI-Inhalte unter neuen Steam-Veröffentlichungen geworden sind. Sie rechtfertigt Aufmerksamkeit, aber keinen pauschalen Ausschluss halber Monatskataloge. Ein KI-Hinweis ersetzt keine Prüfung des Spiels. Und ein fehlender Hinweis ist umgekehrt kein Qualitätssiegel.