Reaper soll 790 km/h geflogen sein: Boom Prize bleibt offen
790 km/h mit einem selbstgebauten Flugzeug aus dem Studentenwohnheim: Tomas Salvo, Luft- und Raumfahrtstudent am Georgia Tech, soll mit seiner Jet-Drohne Reaper eine inoffizielle Geschwindigkeitsmarke aufgestellt haben. Die gemeldeten 491 Meilen pro Stunde übertreffen die bisherige inoffizielle Marke von 465 mph. Eine Bestätigung durch Guinness World Records gibt es bislang nicht.
Salvo verfolgt aber ein Ziel, für das dieser Flug noch nicht reicht: den mit insgesamt 800.000 US-Dollar ausgestatteten Boom Prize. Der Wettbewerb belohnt keinen einzelnen Spitzenwert. Er verlangt nach den Regeln ein amateurgebautes Flugzeug, das Überschall im Horizontalflug wiederholt erreicht und erfolgreich landet. Genau diese Vorgaben machen aus der Jagd nach Tempo eine anspruchsvollere Entwicklungsaufgabe.
Ein schneller Flug ist noch kein Preisgewinn
Ausgelobt wird der Boom Prize von Blake Scholl, dem Chef von Boom Supersonic. Das Preisgeld besteht nach den genannten Regeln aus 750.000 US-Dollar in bar und 50.000 US-Dollar in Boom-Aktien. Wer die Gesamtsumme nennt, sollte diesen Unterschied nicht unterschlagen: Der Aktienanteil ist keine Barauszahlung.
Die technische Aufgabe ist eng gefasst. Ein amateurgefertigtes, ferngesteuertes Flugzeug mit luftatmendem Antrieb muss die Schallmauer zweimal an einem einzigen Tag durchbrechen. Beide Male sind mindestens fünf Sekunden im Horizontalflug vorgeschrieben. Dazu gehört eine erfolgreiche Landung.
Die Regeln setzen damit einen anderen Maßstab als die bloße Höchstgeschwindigkeit. Ein kurzer Ausschlag über die Zielmarke genügt nicht. Auch ein einmaliger Erfolg reicht nicht aus. Gefordert ist eine Leistung, die sich unter den festgelegten Bedingungen am selben Tag wiederholen lässt. Für die Entwicklung bedeutet das: Der zweite Flug und die Rückkehr auf den Boden gehören von Anfang an zur Aufgabe.
Reaper liegt noch klar unter dem Ziel
Die gemeldeten 790 km/h sind schnell, bleiben aber weit unter dem für den Wettbewerb relevanten Mach-1-Bereich, der je nach Bedingungen etwa bei 1.235 km/h auf Meereshöhe liegt. Salvos Flug ist deshalb kein knapp verpasster Überschallerfolg. Zwischen der inoffiziellen Marke und dem Preisziel liegt noch ein erheblicher Geschwindigkeitssprung.
Auch die Rekordbezeichnung braucht eine klare Grenze. Das Reaper-Projekt zielte auf die Bestmarke von Niels Herbrich für das schnellste jetgetriebene RC-Flugzeug. Es geht hier um diese Flugzeugkategorie. Aus der Meldung lässt sich kein offiziell bestätigter Rekord über sämtliche Drohnenarten hinweg machen.
Für die Bewertung sind daher zwei Dinge auseinanderzuhalten: Reaper soll eine bisherige inoffizielle Geschwindigkeitsmarke übertroffen haben. Ob das Projekt auch die Anforderungen des Boom Prize erfüllen kann, ist damit noch nicht belegt. Der Wettbewerb verlangt einen neuen Leistungsnachweis unter zusätzlichen Bedingungen.
Amateurbau heißt hier nicht einfacher Modellbau
Reaper wiegt rund fünf Kilogramm und nutzt ein Jet-Triebwerk mit 250 Newton Schub. Zur Konstruktion gehört eine 3D-gedruckte Titandüse. Die Baukosten werden mit 13.000 US-Dollar angegeben. Das sind die konkreten Größenordnungen hinter der Geschichte vom Flugzeug aus dem Wohnheim.
Der Bauort allein beschreibt den Aufwand also schlecht. Salvo arbeitet an einem spezialisierten Fluggerät und studiert Luft- und Raumfahrttechnik. Sein Projekt zeigt, dass ein einzelner Student ein solches Vorhaben umsetzen kann. Es belegt nicht, dass vergleichbare Geschwindigkeiten mit gewöhnlicher Hobbyausrüstung leicht erreichbar wären.
Der Wettbewerb richtet sich nach den Teilnahmebedingungen an Amateure wie Studenten, Hobbyisten und Garageningenieure. Risikokapital und Unternehmenssponsoring sind ausgeschlossen. Zugelassen sind zudem nur US-Bürger. Das begrenzt den Teilnehmerkreis deutlich. Der Boom Prize ist damit kein offener Leistungsvergleich aller Entwickler schneller RC-Flugzeuge weltweit.
Das Preisgeld setzt ein konkretes Entwicklungsziel
Die Stärke eines solchen Wettbewerbs liegt in der klaren Vorgabe. Eine hohe Geschwindigkeit allein bringt den Teilnehmern noch keinen Preis. Sie müssen ihr Flugzeug auf eine vollständige Aufgabe auslegen: Überschall erreichen, die Geschwindigkeit halten, den Versuch wiederholen und erfolgreich landen.
Für Salvo ist die gemeldete inoffizielle Bestmarke deshalb ein Zwischenschritt. Sie liefert einen messbaren Ausgangspunkt, aber noch keinen Nachweis für die geforderte Überschallleistung. Das hohe Preisgeld ändert an dieser Lücke nichts.
Für Nutzer handelsüblicher Drohnen folgt daraus zunächst weder ein neues Produkt noch eine angekündigte Funktion. Der praktische Wert der Meldung liegt beim Amateur-Flugzeugbau: Ein studentisches Projekt soll beachtliches Tempo erreicht haben, während ein Wettbewerb die nächste Aufgabe präzise definiert. Ob Reaper sie bewältigt, muss ein weiterer Flugnachweis zeigen.