Solarstrom gegen Kernkraft: Was der Kostenvorsprung bedeutet
Solarstrom hat gegenüber neuen Kernkraftwerken einen deutlichen Kostenvorsprung. Für Solarparks in Deutschland nennt eine Studie von 2024 Stromgestehungskosten zwischen 3,12 und 11,46 Cent je Kilowattstunde. Für neu errichtete Kernkraftwerke nennt dieselbe Berechnung Werte zwischen 11,62 und 20,43 Cent. Selbst die Bandbreiten überschneiden sich in dieser Berechnung nicht.
Das erklärt, warum Photovoltaik beim Ausbau so viel Gewicht bekommt. Es erklärt aber noch nicht, was eine verlässlich verfügbare Kilowattstunde im gesamten Stromsystem kostet. Wer die wirtschaftliche Stärke der Solarenergie verstehen will, muss drei Dinge auseinanderhalten: den Preis der Module, die Kosten der Stromerzeugung und die Versorgung in Stunden ohne Sonne.
Der Preisverfall beginnt beim Modul
Seit 2010 sind die Preise für Solarmodule um etwa 90 Prozent gefallen. Das ist der technische Baustein hinter dem Kostenvorteil: Die gleiche Produktkategorie, mit der sich Sonnenenergie in Strom umwandeln lässt, ist erheblich günstiger geworden. Solarenergie zählt dadurch in vielen Regionen zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung.
Eine um 90 Prozent günstigere Modulkomponente bedeutet allerdings keine um 90 Prozent günstigere fertige Anlage. Modulpreis und Stromgestehungskosten sind unterschiedliche Größen. Die erste Zahl beschreibt ein Bauteil. Die zweite verteilt die Kosten einer Anlage über den Strom, den sie während ihrer Lebensdauer erzeugt.
Für den Vergleich mit Kernkraft ist deshalb die erzeugte Kilowattstunde die sinnvollere wirtschaftliche Einheit. Der Preis eines einzelnen Solarmoduls sagt wenig darüber aus, wie günstig eine komplette Versorgung wird. Er erklärt aber einen wichtigen Teil des Drucks, den Photovoltaik auf andere Neubauprojekte ausübt.
Was der Kostenvergleich tatsächlich misst
Die genannten Werte für Deutschland beziehen sich auf Solarparks und neue Kernkraftwerke. Diese Abgrenzung ist wichtig. Daraus lässt sich weder der Strompreis eines vorhandenen Kernkraftwerks ablesen noch die Wirtschaftlichkeit einer kleinen Solaranlage zu Hause. Andere Anlagenklassen und Standorte brauchen eine eigene Rechnung.
Auch innerhalb der Solarpark-Spanne liegt ein erheblicher Abstand zwischen dem günstigsten und dem teuersten Wert. Solarstrom hat keinen einheitlichen Herstellungspreis. Standort und die Einbindung von Batteriespeichern verändern die Kosten. Eine einzelne besonders niedrige Zahl taugt deshalb schlecht als allgemeines Preisversprechen.
Für die Entscheidung über neue Erzeugungsanlagen bleibt der Vergleich trotzdem aussagekräftig: In der betrachteten Berechnung besitzt Photovoltaik einen klaren wirtschaftlichen Vorsprung. Wer zusätzliche Stromerzeugung plant, muss diesen Abstand berücksichtigen. Er ist ein Treiber für den Ausbau klimafreundlicher Erzeugung, auch ohne eine Debatte über die Rolle der Kernkraft abschließend zu entscheiden.
Viel installierte Leistung ist noch keine Strommenge
Wie stark die Photovoltaik bereits gewachsen ist, zeigt der Anlagenbestand. Ende 2023 waren weltweit 1.412 Gigawatt Photovoltaik installiert. Die globale Kernkraftwerkskapazität lag 2022 bei 393,4 Gigawatt. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Jahren; sie sind kein zeitgleicher Vergleich. Den Größenunterschied bei der installierten Leistung machen sie dennoch sichtbar.
Gigawatt beschreiben Leistung. Terawattstunden beschreiben eine erzeugte Strommenge über einen Zeitraum. Aus einem größeren Wert in Gigawatt folgt daher nicht automatisch eine größere Jahresproduktion. Gerade bei Solarenergie ist diese Trennung entscheidend, weil ohne Sonneneinstrahlung keine entsprechende Erzeugung zur Verfügung steht.
Die Kernenergie erzeugte 2024 weltweit 2.768 Terawattstunden Strom, ein Plus von 2,5 Prozent. Sie deckte damit 9,0 Prozent des globalen Stromverbrauchs. Alle erneuerbaren Energien zusammen erreichten einen Anteil von 31,9 Prozent an der weltweiten Stromerzeugung. Dieser Anteil umfasst mehr als Photovoltaik und darf nicht als Solarstromanteil gelesen werden.
Die offene Rechnung liegt zwischen Erzeugung und Versorgung
Günstige Solarstromproduktion löst die Versorgung außerhalb sonniger Stunden nicht von selbst. Dafür braucht es Speicher, Backup-Kraftwerke oder andere Ausgleichslösungen. Hinzu kommt der Netzausbau. Die Kosten dieser Einbindung müssen bei der Bewertung eines Stromsystems berücksichtigt werden.
Hier liegt die Grenze eines isolierten Vergleichs der Stromgestehungskosten. Er beantwortet die Frage, wie teuer eine Anlage Strom produziert. Für eine verlässliche Versorgung muss zusätzlich geklärt werden, wann dieser Strom verfügbar ist und wie Erzeugungslücken geschlossen werden. Die Grundlastfähigkeit der Kernkraft und die wetterabhängige Solarproduktion sind technisch unterschiedliche Eigenschaften.
Für Verbraucher folgt daraus kein automatisch sinkender Stromtarif. Niedrige Erzeugungskosten können langfristig günstigere Preise ermöglichen; die Kosten für Speicherung und Netze bleiben Teil der Rechnung. Der wirtschaftliche Befund bleibt trotzdem klar: Solarstrom verschafft dem Ausbau klimafreundlicher Erzeugung einen günstigen Ausgangspunkt. Wie viel davon bei Haushalten und Industrie ankommt, entscheidet sich bei seiner Einbindung ins Stromsystem.


