Apple und LG planen offenbar Smart Lock, Thermostat und Türklingel
Apple will im Smart Home offenbar mehr sein als nur die Plattform im Hintergrund. Nach Berichten arbeitet der Konzern gemeinsam mit LG an einer neuen Geräteklasse: Smart Lock, Thermostat, Video-Türklingel und weitere vernetzte Zubehörteile sollen in Vorbereitung sein.
Der Punkt ist nicht die bloße Produktliste. Entscheidend ist, was dahintersteckt: Apple versucht sein Smart-Home-Geschäft neu aufzubauen. Bislang war Apple Home für viele Nutzer vor allem ein Software-Rahmen für Geräte anderer Hersteller. Das hat Eleganz, aber auch ein Problem. Wer die Hardware nicht selbst kontrolliert, kontrolliert das Erlebnis nur zur Hälfte.
Genau da wäre eine Partnerschaft mit LG ein pragmatischer Schritt. LG kann Geräte bauen, Apple kann die Plattform, die Automationen und die Einbindung in iPhone, Apple TV und HomePod liefern. Berichtet wird, dass die Produkte mit Apples kommendem Smart-Home-Hub zusammenspielen sollen. Auch HomePod mini und Apple TV bleiben dabei wichtige Bausteine.
Interessant ist auch das Modell hinter der Kooperation. Die Geräte sollen unter dem Namen von LG auf den Markt kommen, obwohl Apple an der Entwicklung beteiligt sein soll. Das ist für Apple ungewöhnlich. Der Konzern hält sich normalerweise gern die Marke selbst offen. Hier spricht vieles dafür, dass Apple im Smart Home erst einmal Tempo will, statt jahrelang eine komplette Eigenfertigung aufzubauen.
Das ergibt Sinn. Bei Türschlössern, Klingeln und Thermostaten geht es nicht nur um Design, sondern um Zulassungen, Installationsrealität und Support im Alltag. Wer so etwas verkauft, muss mit Batterien, Funkstandards, Haustüren, Heizsystemen und Sicherheitsfragen klarkommen. LG bringt auf der Hardware-Seite Erfahrung mit, Apple auf der Software-Seite das Ökosystem.
Für Nutzer wäre das mehr als nur neues Zubehör. Apple Home wirkt seit Jahren aufgeräumt, aber im Vergleich zu Amazon und Google oft schmal. Gerade bei Geräten, die im Alltag sichtbar und dauerhaft genutzt werden, fehlte Apple bisher eine klare Handschrift. Eine Video-Türklingel, ein eigenes Schloss-Setup und ein Thermostat könnten genau diese Lücke schließen.
Vor allem die Türklingel ist heikel und wichtig. Sie ist Kamera, Gegensprechanlage und Sicherheitsprodukt zugleich. Wer sie kontrolliert, sitzt an einer zentralen Stelle des Hauses. Wenn Apple dort stärker mitmischt, geht es nicht bloß um Komfort, sondern um einen Teil des digitalen Zuhauses, der Daten, Benachrichtigungen und Zugangsrechte bündelt.
Für LG wäre die Sache ebenfalls attraktiv. Der Hersteller bekäme Zugang zu einem Publikum, das Wert auf enge Integration legt und dafür oft auch mehr bezahlt. Im Smart Home ist das ein Vorteil. Viele Kunden kaufen nicht das billigste Gerät, sondern das, das im Alltag am wenigsten nervt.
Noch ist nichts offiziell bestätigt. Aber schon die Richtung ist bemerkenswert. Apple scheint begriffen zu haben, dass das Smart Home nicht von selbst aus einer App wächst. Wer in diesem Markt ernst genommen werden will, braucht sichtbare Produkte an der Wand, an der Tür und im Flur.
Wenn die Kooperation so kommt, wäre das kein Nebenprojekt. Es wäre der Versuch, Apple Home aus der Nische für kompatibles Zubehör herauszuholen und als zusammenhängendes System neu aufzustellen.


