Technik

Autos senden mehr Daten nach außen, als viele Fahrer ahnen

Vernetzte Autos sind längst rollende Computer. Das ist bequem, bringt aber ein Problem mit, das viele Fahrer unterschätzen: Daten verlassen das Fahrzeug viel öfter, als man es bei einem Gebrauchsgegenstand dieser Preisklasse erwarten würde.

Besonders heikel ist ein Befund aus aktuellen Tests an 21 Fahrzeugen: Jedes einzelne übermittelte Daten an eine Drittanbieter-Domain. Mehr als die Hälfte kontaktierte sogar Werbeunternehmen. Das ist keine Randnotiz. Es zeigt, wie weit sich die Logik des digitalen Trackings inzwischen ins Auto hineingefressen hat.

Für Fahrer ist das aus zwei Gründen problematisch. Erstens entsteht ein massives Transparenzproblem. Wer ein Auto nutzt, weiß in der Regel nicht, welche Systeme im Hintergrund funken, wie oft sie das tun und wofür die Daten später verwendet werden. Zweitens ist das Auto kein Smartphone. Es begleitet Wege zur Arbeit, Arztbesuche, Schulfahrten, Freizeit, politische Veranstaltungen. Kaum ein Alltagsgerät kann Bewegungs- und Verhaltensmuster so lückenlos abbilden.

Genau deshalb wiegt es schwer, wenn Verbindungen nicht nur zu Herstellerservern bestehen, sondern auch zu externen Dritten. Noch kritischer wird es, wenn Werbefirmen im Spiel sind. Dann geht es nicht mehr nur um Technikbetrieb, Navigation oder Fernwartung. Dann steht die Frage im Raum, ob das Fahrzeug Teil eines kommerziellen Überwachungsnetzes wird, das Informationen über Nutzerverhalten verwertet.

Die Autoindustrie hat sich jahrelang als Hardware-Branche verstanden. Inzwischen arbeitet sie wie eine Software- und Plattformindustrie. Dienste, Apps, Telematik, Fernzugriff, personalisierte Funktionen und Abo-Modelle leben von Datenerfassung. Genau dort kippt der Charakter des Autos: vom Besitzgegenstand zum dauervernetzten Endpunkt.

Das hat Folgen über den Datenschutz hinaus. Wenn Hersteller und Partner immer mehr Datenströme aufbauen, wächst auch die Angriffsfläche. Jede zusätzliche Verbindung nach außen ist ein weiterer Kanal, der erklärt, abgesichert und kontrolliert werden muss. Selbst wenn einzelne Übertragungen technisch legitim sind, bleibt die Summe das Problem.

Für Verbraucher ist die Lage schwach. Kaum jemand kann beim Kauf realistisch prüfen, welches Fahrzeug sich datensparsam verhält. Datenschutz wird im Autohaus selten wie ein hartes Produktmerkmal behandelt. Stattdessen dominieren Reichweite, Leistung, Bildschirmgröße und Assistenzfunktionen. Die Folge: Der Markt belohnt Datensammelei kaum sichtbar, aber er bestraft sie auch nicht.

Die klare Einordnung lautet deshalb: Das Datenschutzproblem im Auto ist kein Nebenthema mehr. Wenn alle getesteten Fahrzeuge Daten an Dritte senden und mehr als die Hälfte Werbeunternehmen anpingt, dann hat die Branche die rote Linie längst verlassen. Ein modernes Auto darf online sein. Es darf aber nicht stillschweigend zum Tracking-Gerät werden.